Es gibt eine Bank in Deutschland, die in ihrem Namen anklingen lässt, dass sie die Bank der oder genauer: aller Deutschen sei. Da das ja ein ziemlich großer Happen ist und die Suche nach der zutreffenden Kundenkategorie ziemlich viel Zeit beanspruchen kann, hat diese Bank sich nun bequemt, ihre Kunden in Unterkategorien zu stückeln. Sie unterscheidet, – und nun wird es spannend – zwischen:
● Privatkunden
● Vermögende Kunden
● Geschäftskunden / Freie Berufe
● Firmenkunden
● Öffentliche Kunden / Institutionelle Kunden
Nun machen solche Einteilungen nur dann Sinn, wenn die Kategorien sich gegenseitig ausschließen. Dass ein Privatkunde nicht zugleich auch Firmenkunde sein kann, leuchtet unmittelbar ein. Doch wie ist es mit „vermögenden Kunden“? Ist hier nur versehentlich das „Privat“ weggelassen worden? Oder gibt es tatsächlich vermögende Kunden, die nicht zugleich auch Geschäftskunden sind? Oder umgekehrt. Und wie stellt ein Kunde fest, ob er im Sinne seiner Bank vermögend ist oder nicht? Erhält er eine besondere Ziffernkombination, die dem Kundigen verrät, welchen Status sein Gegenüber inne hat?
Liebe Bank der Deutschen: Sag uns doch bitte auch, wie wir die Schublade wechseln können, in die Ihr uns hineingestopft habt? Kann ein Freiberufler zum vermögenden öffentlichen Kunden mutieren? Vieleicht ja. Und vielleicht besonders bei den Künstlern. Sollte jeder dieser Kunden nicht in der Lage sein, sich sein Geld selber zu malen? Oder – mit Baselitz – verkehrt herum auszugeben? So dass just jener Mehrwert daraus erwächst, dessen es bedarf, die Schublade zu wechseln?
Wir wissen es nicht, wüssten es aber gern aus kompetenter Quelle, von der Brecht behauptete, für sie sei es leichter, eine Bank zu gründen als sie zu überfallen.
Einstweilen singen wir also noch:
● Einigkeit und Recht und Freiheit
● für das deutsche Vaterland!
● Danach lasst uns alle streben
● brüderlich mit Herz und Hand!
● Einigkeit und Recht und Freiheit
● sind des Glückes Unterpfand:
● Blüh im Glanze dieses Glückes
● blühe, deutsches Vaterland!
Diese dritte Strophe des so genannten „Lieds der Deutschen“ ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschlands. Dass sie es wurde, ist gar nicht so selbstverständlich, wie es heute erscheint. Denn es standen zwei weitere machtvolle Kandidaten zur Wahl. Bei der konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestags sang man das Burschenschaftslied: „Ich hab mich ergeben…“.. Was möglicherweise gegen dieses Lied sprach, war seine unglückliche Wortwahl an prominenter Stelle, nämlich der pole position des Lieds, die zu Verballhornungen nur so einlud („…hab mich übergeben“).
Beethovens /Schillers „An die Freude“, der politische Mega-Hit der europäischen Idee, musste erst noch besserer Tage harren. Heute hat er sich auf internationaler Eben zwar etabliert, doch irgendwie ist uns Europa abhanden gekommen.
Sollten der Bank der Deutschen jedoch weitere feindlich-freundliche Übernahmen gelingen, so könnte eine neue Version denkbar werde:
● Protz und Selbstgerechtigkeit
● für das Deutsche Bankertum!
● Dazu lasst uns alle heben
● brüderlich den Humpen hoch!
● Protz, Rechthaberei als auch Willkür
● sind des Reichtums Überbau:
● Glüh im Feuer dieser Höllen
● glühe, deutsches Vaterland!
Was eigentlich veranlasst eine sich so deutsch gebende Bank, beim Erstaufruf ihrer Website sich in ihrer english version zu präsentieren? Wohlgemerkt: ungefragt? Möglicherweise sitzt das Selbstvertrauen doch nicht ganz so fest wie man uns suggerieren will. Oder ist es das Pfeifen im Walde? Wie dem auch sei, bald schon wird wohl auch der Text der 1.Strophe des Lieds der Deutschen, - beim Eingeben des Passworts leise intoniert -, den Zugang zur Bank der Deutschen und ihrem Wohlstandsgeraune öffnen