„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“ Dieser Spruch kann als Gründungsnarrativ der Arbeiterbewegung gelten, selbst dann, wenn die Arbeiter ich gar nicht mehr bewegen wollen. Noch unbekannte Täter (die sich allerdings bekannt haben) haben in der Nacht vom Sonntag (9.10.2011) auf Montag (+1) zwei Anschläge auf Anlagen der DB verübt, von denen zumindest der eine erhebliche Auswirkungen auf den Personen-Fern- und Nahverkehr hatten.
Betextet haben sie die Anschläge mit: „Berlin in den Pausenmodus schicken“. Klingt irgendwie nach Informatikstudent, vielleicht Piratenpartei?
Mal ehrlich: Wen juckt denn noch eine Verspätung, ja selbst ein Totalausfall der Bahn? Also Jungs (und Mädchen), lasst den Scheiß und wendet Euch sinnvollen Zielen zu. Sind nicht wieder mal die Banken dran, ehe die sich an den diversen Rettungsfonds gütlich tun? Mit euren Attacken trefft ihr doch nur die Leute, die sich kein Auto leisten können oder wollen (also ökologisch-politisch korrekt verhalten wollen).
Wie man politischen Protest mit Schadensfreiheit für die eigene Sache optimal und effektiv verbindet, hat uns Roda Roda erzählt. Ist ein Lehrstück diplomatischer Weisheit, ich gebe es aus dem Gedächtnis – also mit Fehlern im Detail möglicherweise – wieder:
Konflikt zwischen Italien und Österreich, ausgangs des 19. Jahrhunderts. Die Bürger Mailands ziehen vor das österreichische Konsulat und beginnen mit Steinwürfen dessen Fenster in Scherben zu zerlegen. Da erhebt ein Mann seine Stimme: Mitbürger, was ihr macht, schadet nur euch selbst. Die italienische Regierung muss sich bei Österreich entschuldigen und zahlt obendrein die Reparaturkosten für die zertepperten Scheiben. Ich sage euch: Lasst das! Ziehen wir lieber gemeinsam in die XYZ-Straße, da wohnt die Geliebte des Konsuls, wenn ihr der die Fenster einwerft, muss sich niemand entschuldigen und der Herr Konsul darf ihr obendrein die Reparaturen bezahlen. - Und so wurde es gemacht.