Gut drei Monate ist Trump nun schon (oder: noch immer?) Präsident der USA, und es ist so gekommen, wie zu erwarten war: Man hat inzwischen das Gefühl, er sei in der Mitte Gesellschaft angekommen. Seine Entgleisungen wirken abgepufferter, seine Ausfälle kalkulierter und seine Kritiker ratloser. Seine Auftritte zielen nicht nur auf die Galerie, der gute Nachbar schaut nicht mehr pikiert weg. Man hört ihm zu, nimmt seine Ansichten zur Kenntnis, man mokiert sich vielleicht von Zeit zu Zeit über seinen ungeschliffenen Stil, aber mehr und mehr wird er als vom Volk Gewählter akzeptiert, vielleicht mit verdrehten Augen und einem leisen Stöhnen. Aber das wird sich auch noch geben.
Gestern gab es im Weissen Haus eine Veranstaltung, die in diesem traditionsarmen Land eine beträchtliche (nämlich 139 jährige) Tradition aufweist, das Ostereierrollen (easter-egg-roll).
Veranstaltet vom Weissen Haus und dessen oberstem Herren, eine monumentale PR-Veranstaltung , die für die Imagepflege noch jeder Präsident zu nutzen trachtete. Nach den seit heute hier eintrudelnden Berichten zu urteilen, wusste Trump die Steilvorlage sicher zu nehmen. Ein Präsident, der bei diesem Volksspektakel bella figura macht, wird auch mit den Krisen dieser Welt fertig.
Nachdem sich Valentines Day und Halloween in den letzten Jahren auch hier haben etablieren können, darf man wetten, dass Easter Egg Roll demnächst auch hier zur politischen Lackmusprobe eingesetzt wird. Vielleicht nachdem der Bundestags-Wahltermin noch ein wenig in Richtung Frühjahr vorgezogen worden ist.
Übrigens hat die Praxis des Eierrollens nichts mit dem Treiben der (polenstämmigen) Pratikantin Monica Lewinski im Weissen Haus zu tun. Andererseits darf ein Vorfall, bei dem der deutsche Fussball-Bundestrainer Jogi Löw die deutsche Öffentlichkeit in Verlegenheit versetzt und (der polenstämmige) Lukas Podolski ihn gerettet hatte, nachträglich als Sonder-Trainingseinheit für den Kampf um die Pole-Position im politischen Geschäft gedeutet werden. Schließlich werden wir alle älter und taugen dann nur noch zum politischen Geschäft. Soviel zum Wirken unserer polnischen Freundinnen und Freunde im Hintergrund.