Petra Lidschreiber äußerte sich am 24.10.2007 in: Tagesthemen ARD 23:00

“Richtig, wir brauchen eine Erinnerungsstätte, die das Leid der Vertriebenen dokumentiert. Wo? In Berlin? Wenn ein Land etwas vom Vertreiben versteht, dann ist es ja doch Deutschland. Und genau damit beginnt das Problem. Es beginnt mit unserer Sprache. Vertriebene heißen bei uns die deutschen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge. Die vielen Millionen Tschechen, Polen, all die Menschen aus den überfallenen Ländern, die vertrieben, verschleppt, verjagt wurden, sind nicht gemeint. Gemeint sind auch nicht die verfolgten Juden. Emigranten nennen wir die, die es schafften, den Massenmördern zu entkommen. Als ob sie freiwillig ihre Heimat verlassen hätten. Aber um diese Opfer geht es ja auch nicht wirklich. Die deutschen Vertriebenenverbände sollen endlich befriedigt und befriedet werden, also kriegen sie ihr Zentrum. Die Absicht wird nicht besser durch das huldvolle Versprechen, man wolle ja an die Vertreibung in ganz Europa erinnern. Es ist hochmütig gegenüber all den Verjagten, die nicht Heimatvertriebene heißen. Es ist misslich, die Diskussion jetzt, ehe die neue polnische Regierung im Amt ist [zu führen]. Was soll die machen? Am Ende abnicken, was der mächtige Nachbar schon mal beschlossen hat? Solange sich unsere Regierung von den Vertriebenenverbänden vor sich hertreiben lässt, sind Zweifel angebracht, ob ein ehrlicher Beitrag zum Thema Flucht und Vertreibung überhaupt gewollt ist. Einer, der nicht Verbrechen und Folgewirkung wieder und wieder vermengt, verdrängt und die historische Aufklärung vertreibt.“