Im Bundestag ist es heute offenbar hoch hergegangen. Guttenberg stand Rede und Antwort in Sachen Plagiat. Ich habe die Übertragung nicht gesehen, nur eine kurze Zusammenfassung am Abend. Der Strahlemann wirkte da wie ein begossener Pudel, muss also ganz schön was abbekommen haben. Offenbar hatte die Opposition nicht mit eindeutigen ehrabschneidenden Zuweisungen gespart, vom Lügenbaron bis zum akademischen Hochstapler war alles drin.
Eigentlich nichts Neues, konnte man alles schon in den Zeitungen lesen. Die schreiben nämlich auch ganz locker voneinander ab. Dann aber kam noch einer, der brachte ein neues Kaliber ins Spiel. Natürlich war der von der Opposition, wahrscheinlich sogar von den Linken, die haben ja noch das ausgeprägteste Standesbewusstsein, wenn auch falsch herum. Und der gab dem Delinquenten folgenden wichtigen Hinweis: „Früher wusste der Adel noch, was sich an dieser Stelle geziemt.“ Was denn? Ein Duell? Doch gegen wen, wer ist der Geschädigte? Folgt man den anderen Rednern, so die Gesellschaft. Aber wäre das nicht ein wenig unausgewogen, sich mit einem ganzen Volk zu duellieren? Ohnehin war das Duell zuletzt ganz schön heruntergekommen: man schlug sich, wenn der andere einen auch nur schräg angesehen hatte (Burschenschaften). Oder wegen einer Frau (Fontane). Oft waren beide Kontrahenten so angetrunken, dass ein Treffer reine Glückssache gewesen wäre (Die Kinder des Olymp). Oder meinte Guttenbergs Kollege gar – die Kugel? Die sich der Baron hätte geben sollen?
Man kann’s übertreiben. Ohne Frage: Was Guttenberg getan hat, ist eine Sauerei. Ließe man ihm das als Kavaliersdelikt durchgehen, wäre es ein fatales Signal an die schulische und studentische Jugend. Im Zeitalter von Copy & Paste haben die es schon schwer genug, eigene Gedanken zu fabrizieren oder gar als solche zu erkennen. Bliebe die Tat des G. aber ungeahndet, würden alle Dämme reißen.
Wie gut für den Baron, dass nicht nur die Todesstrafe, sondern auch der Adel abgeschafft worden ist. Denn seinerzeit, – na, ich bin mir nicht sicher, ob das so locker durchgewinkt worden wäre. Sind ja schließlich traditionelle Werte, die er über den Haufen gerannt hat. Heutzutage kann er ja immerhin noch das zweite Staatsexamen nachholen. Das hat er noch nicht. Die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, und Steffi kann durch die Boulevardpresse tingeln. Dann wird’s schon reichen.