Möglicherweise gehören meine Kinder zu der ersten Generation, die mit diesem Positivurteil über das kleine mittelamerikanische Land aufgewachsen ist. Sie sind jetzt Mitte Dreissig. Dass sich diese Vorstellung in ihren Köpfen hat festsetzen können, liegt einzig an den Holzkisten, in denen Bananen verschifft wurden und auf denen „Panama“ geschrieben stand. Und natürlich an der Geschichte eines Kreislaufs, wie sie Janosch erzählt und gemalt hat.
Es ist möglich, dass der noch immer legendäre Ruf Panamas bis zu jener Generation zurückschallt, als die heute Reichen und Mächtigen noch weniger arm und weniger mächtig waren, zu klein und zu schwach, um ihr Vermögen nach Panama zu schaufeln. Aber irgendwie müssen sie es ja dort hingebracht haben.
Eine Recherche-Allianz will aufgedeckt haben, dass neben (sic!) Spitzenpolitikern auch Drogendealer, Spitzensportler sowie andere (sic!) Schwerkriminelle sich off shore Briefkastenfirmen haben anlegen lassen, um dort in ihrer Freizeit das sauber abgezockte Geld zu waschen.
Ich weiss nicht, worüber man sich mehr wundern soll: über die Nachbarschaft
von Politikern, Sportlern und Kriminellen? Aber da gibt`s eigentlich nichts mehr zu wundern. Oder über die Naivität, aus der heraus das Geldeinstreichen im Stil des 19 Jahrhunderts betreiben wurde und offenbar noch immer wird.
Eines macht die Affäre um die Panama-Papers klar: Wir brauchen viele, sehr viele whistle blowers, die auch vor dem stinkenden Inhalt panamaischer Briefkästen nicht zurückschrecken.