Alles war getan, alles war zu einem guten Ende gebracht: Die Arbeiten geschrieben, die mündliche Prüfung überstanden. Auch der Abi-Streich war ausgeheckt und mehr oder weniger cool über die Bühne gezogen worden. Es fehlte nur der letzte Schritt ins Erwachsenenleben und der beginnt, so will es die Tradition, mit einem fulminanten Besäufnis.
Daran hat sich eigentlich nichts geändert im Vergleich zu den früheren Jahrzehnten, als ich Abitur gemacht hatte. Nur damals holten wir uns den obligatorischen Filmriss in der Eckkneipe, die schon lange insgeheim unser zweites Zuhause war. Heute fährt man dazu nach Ibiza oder sonst einem angesagten Ferienort.
Und damit einem der ganze Kram nicht über den Kopf wächst und man zudem den Standard halten kann, beauftragt man mit der Vorbereitung und Abwicklung Agenturen, die was davon verstehen. Der erste Schritt ins Erwachsenenleben ist von Kleinmütigkeit stigmatisiert.
Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass sich ein solcher Agent mit den ihm anvertrauten Geldern absetzt. Die Abiturienten haben nicht die Kapazitäten, zu kontrollieren, was ihnen da gerade angetan wird, sind sie doch ganz darauf fixiert, sich im Komasaufen zu üben. Wenn es dann losgehen soll, fehlen plötzlich die Tickets.
Geschieht ihnen ganz zu Recht, mag mancher denken. Sie diese Blauäugigkeit ablegen zu lassen, haben 13 oder neuerdings wieder zwölf Schuljahre nicht ausgereicht. Zur Reife gehört nun auch einmal eine gehörige Portion Misstrauen, zumindest aber Wachsamkeit. So kann man das irgendwie als Bonusmaterial zur verbrieften Reife einordnen.
Was wird nun aus solchen Menschen, die dank der Niedertracht ihrer Mitmenschen einen derartigen Fehlstart hingelegt haben? Irgendwie ahnt man, dass das einmal extrem verschlossene, sozial geschädigte Menschen werden. Zumal ihnen die Verbrüderungsinitiation eines kollektiven Besäufnisses fehlt.