Der Still, das unbekannte Wesen. Schon seit langem bin ich ihm der Spur. Doch erst ein unbeabsichtigter Irrläufer brachte ihn auch der Redaktion der taz zur Kenntnis.

Dort nämlich hat er sein geheimes Quartier aufgeschlagen, dort durchpflügt er den Untergrund, um nur an einigen wenigen Punkten an das Licht der Öffentlichkeit aufzutauchen. Dem Maulwurf gleich.

Er tritt vorzugsweise in zwei Aufmachungen auf: als „Filmstill“ oder – bornierter noch – einfach als „Still“. Und sein Lieblingserscheinungsort ist unbezweifelbar der Berliner Kulturteil. Dass er als Phänomen nicht wahrgenommen wird, mag daran liegen, dass eben dieser Berliner Teil für die Katz ist.

Aber zurück zu der gnädigen oder eher ungnädigen Kenntnisnahme durch die Leserbriefredaktion. Den Brief hatte ich in Form einer Leserzuschrift tatsächlich bei einem spontanen Anlass geschrieben, dann aber, wie ich das so oft tue, liegengelassen, um noch irgendeinen Punkt abzuklären. Da das in der Regel nie geschieht, bleiben diese Briefe ungeboren. An einem trostlosen so genannten Sommerabend im August kam ich auf die aberwitzige Idee, mein Email-Fach aufzuräumen. Ich legte Oberordner und Unterordner an, auch „intelligente“, dann schob ich Emails hin und her, löschte einige, schrieb den Bezug bei anderen hinzu und so fort. Dabei muss es passiert sein, dass mir eine Email abging, so wie einem eben was abgeht, wenn man an sich rumfummelt. Und ausgerechnet dieser kalte Bauer landet bei der Leserbriefredaktion (und nicht bei der Wahrheit). Und gerät so in die Hände von Gabi von Thurn, die ihren Job sicherlich versteht, nicht aber Sinn für an sich selbst Scheiternde wie mich hat. Sie nimmt mich entsprechend rigoros zur Brust: „Du meine Güte, die Leserfrage datiert vom Januar 2011. Wann und warum haben Sie die denn ausgegraben? Und in welchem Artikel Sie das Wörtchen „still“ für Standfoto aus einem Film in der taz gefunden haben, verraten Sie uns leider nicht.“

Ja, dumm gelaufen. Zum letzten Punkt aber will ich doch noch was sagen, das legte mir die Lektüre der heutigen Ausgabe (8.9.2011) nahe: Allein diese weist auf nur zwei Seiten (25 und 28) ganze vier Mal das Wort „Still“ bzw. „Filmstill“ auf! Hier hat die dffb-Mafia inzwischen die Macht an sich gerissen (ich sage nur: Praktikanten!), damit niemand, niemand erfahre, was ein Still ist. Denn Herrschaftswissen muss Herrschaftswissen bleiben.

Doch ausgerechnet beim fünften Standbild aus einem Film, wird das Wort „Still“ gemieden. Dabei hätte es hier doch besonders gut gepasst: Zwei junge Menschen, auf der dampfenden Erde des Tiergartens lagernd, gehen sich gegenseitig an die Unterwäsche. Ich spüre förmlich, wie es still wird im Kino, atemlos still in Vorahnung der großen Dinge, die nun folgen dürften. Mann, Leute, wir sind in den 70er Jahren! Da erwartete man noch was vom Sex!

Alles was der Leser aber erfährt ist: „Ein (Un-)Sittengemälde aus Westberliner Zeit: „Tiergarten“.