Ja, das bin ich: ein Analogmensch, technischer Nachzügler, Techno-Ignorant. Von Kindesbeinen an durch und durch analog geprägt, begreife ich Technik nur, wenn etwas Sicht-, Hörbares oder sonstwie Nachvollziehbares passiert, sobald ich auf den roten Knopf drücke. Natürlich kommt die avantgardistische Technik auch bei mir an, wenngleich viel später. Ich habe einen Computer, kann mit dem nicht nur elektronische Briefe schreiben, sondern auch Texte layouten und zu diesem Zweck in Medien einbetten. Na und fast den ganzen übrigen Schnickschnack auch noch. Aber eben nur „fast“.

Mir geht es in diesem Spiel um Macht durch Wissen wie dem Hasen mit den Igeln. Immer wenn ich mir eine neue Programmanwendung mühsam angeeignet habe, stehet am Ziel bereits die Igel-Sippschaft und schmettert mir entgegen: „Ick bün al dor!“

Das muss mir ja nichts weiter ausmachen. Aber demütigend ist es schon. Neulich hat mir eine wohlmeinende Freundin ein sogenanntes „App“ auf mein Handy (darf man dieses Wort eigentlich noch benutzen?) überspielt, um mich für den Überlebenskampf in der kalten, digitalen Welt fit zu machen. Noch ehe ich das Ding aber zum ersten Mal benutzen kann, findet sich auf diesem Kanal die Mitteilung meines Enkels: „Opa, was hast du denn da?“ Eine gekonnte Mischung aus Lob und Häme! So als wolle er sagen: Toll! Aber lass dir das Ding bloß nicht auf den Großen Onkel fallen, dann issa app!“

Doch im Stillen wird er sich wundern, dass man mit derart antiquierter Software überhaupt noch „arbeiten“ (kommunizieren?“) kann.

So tauchen immer wieder neue Begriffe in meinem gedanklichen Gesichtsfeld auf, die ich bislang garantiert nicht gekannt habe. Doch komischerweise stoße ich spätestens von dem Zeitpunkt meiner Erstbegegnung immer wieder und in den unterschiedlichsten Zusammenhängen auf sie. So „WhatsApp“: vor knapp einer Woche gerade erst kennengelernt, heute bereits dreimal in meiner Tageszeitung geortet, Das kann doch nur eines bedeuten: Während ich den Traum der Vorgestrigen träumte, zog der Rest der Menschheit sanft an mir vorbei. Und komuniziert dabei in einer mir fremden Sprache

.13. Dezember 2014